Wenn meine kleine Schwester und ich als Kinder nicht artig waren, dann drohte unser Großvater uns mit einer Hexe, die unten im Keller hauste.
                    Eine böse Frau, wie er uns erzählte, zu der er uns runtersperren würde, würden wir nicht gehorchen.
                    Die Angst vor der Hexe sowie die vor der Dunkelheit der Kellertreppe habe ich verinnerlicht und lange in mir getragen.

                    Wenn ich heute in die Zeit, in der ich lebe, hineinfühle und sehe, dann beobachte ich einen Wandel hinsichtlich der Konnotation des Begriffs ‚Hexe’.
                    Bedeutete es früher eine Attacke gegen etwas, was als Bedrohung wahrgenommen wurde, so ist es nun ein Akt der Inanspruchnahme, ein Ausdruck
                    von Autonomie und Stolz.

                    Dieser Wandel spiegelt den Transformationsprozess dessen wider, wie Weiblichkeit in der Gesellschaft betrachtet wird. Die Hexe ist der wohl einzige
                    weibliche Archetyp, der aus sich heraus Macht besitzt, zu ihren eigenen Bedingungen und sich durch niemanden sonst definieren lässt. Sie ist stark
                    und unabhängig – Eigenschaften, die erst im Lichte der heutigen Zeit positiv statt bedrohlich bewertet werden. Es geschieht eine Umkehrung der
                    Narrative und Zurückeroberung des Begriffs, dessen Gebrauch zur Selbstermächtigung derer führt, die ihn für sich in Anspruch nehmen.

                    Eine fotografische Auseinandersetzung mit dem geistigen Erbe der Hexe sowie den Assoziationsschichten, die sie umgeben. Eine Erforschung des
                    weiblichen Blickes auf Frauen, die in ihrer Stärke ruhen – Hexen dieser Zeit. Bilder als Gefäße, in denen Energien fließen.

                    Eine Mischung aus Mythos, Erinnerung und persönlicher Geschichte.









    ︎

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